Bleistiftspitzmaschinen
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Ein kurzer historisch-mechanischer Überblick |
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Von Jürgen Moser, Dietikon |
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Mittlerweile
sind sie nicht nur büro-, sondern geradezu salonfähig, wenn nicht gar museumswürdig
geworden. Und sie haben ihren Status als dekoratives Beiwerk neben den
bewunderten Schreib- oder begehrten Rechenmaschinen endgültig verloren und –
was insbesondere die grosse Aufmerksamkeit auf dem internationalen Parkett
manifestiert – an Prestige tüchtig zugelegt. Ja, die Rede ist hier und heute
von den ebenso raren wie raffinierten Bleistiftschärfmaschinen, den pencil
sharpeners, den machines à tailler les crayons, den potloodslijpmachinen oder
wie man sie auch immer nennen mag.
Und ihre Aufgabe ist seit eh und je so nützlich wie angenehm: Einen Bleistift
von seinem Holzmantel befreien und ihn, wenn immer möglich, auch mit einer
feinen Spitze versehen. Einer Spitze, die ihrerseits der schreibenden Person
eine schöne oder zumindest saubere Schrift garantiert. Und ausserdem soll das
spitzende Gerät während des Spitzvorganges die Hände des Schreibenden nicht
beschmutzen. In diesem Sinne blieb die maschinelle und damit effizientere
Herstellung einer guten Stiftspitze, ohne dabei die Mine abzubrechen, während
Jahrzehnten das erklärte Ziel und eine herausfordernde Beschäftigung von
Dutzenden von Erfindern und Ingenieuren. Entsprechend wurden die Hersteller und
Lieferanten ihrerseits nicht müde, in Annoncen und Artikeln zu versprechen,
dass ihre neue Konstruktion auch den hygienischen Anforderungen genüge und
keine graphitverschmierten Finger beschere. |
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Erste Spitzhilfen |
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(Patentnummer 1825)
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Nimmt
man europäische oder amerikanische Patentschriften als Indiz, so darf man wohl
mit Fug und Recht behaupten, dass bis in die achtziger Jahre des vorletzten
Jahrhunderts die Bleistifte – wie ehemals die Federkiele – vorwiegend mit
einem kleinen Messer zugespitzt wurden.
Die erste „Vorrichtung zum
Bleistiftspitzen – Patentiert im Deutschen Reiche vom 30. Januar 1878 ab“,
bestand denn auch lediglich aus einer Hülse resp. einer Haltevorrichtung, in
welcher der Stift, während er mit einem Messer zugespitzt wurde, gedreht werden
konnte. |
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Eine einfache
Alternative zu den Bleistiftmesserchen waren gelegentlich gusseiserne Tischklemmen, die mit einer Klinge bestückt waren und an einer passenden Platte
festgeschraubt wurden. So fixiert, konnte der Bleistift einhändig und ohne
grossen Kraftaufwand über die Klinge gezogen und leicht geschärft werden. |
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welchem Zeitraum allerdings solche Klingenhalter hergestellt und in welchem
Ausmass diese verbreitet wurden, bleibt aufgrund fehlender Patentschriften oder
einschlägiger Inserate spekulativ.
Trotz
wachsender maschineller Konkurrenz fand die manuelle Tradition des
Bleistiftspitzens auch im ersten Dezennium des 20. Jahrhunderts nach wie vor
ihre Anhänger. |
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Vor allem zwei Klingenschaber erfreuten sich, nicht zuletzt wohl
wegen des ansprechenden Preises, eines guten Absatzes: Das
sogenannte Rockford Pencil Knife (1906), das als technische Neuerung nunmehr immerhin
einen
automatischen Drehmechanismus für den Bleistift anzubieten hatte Sowie
der Little Shaver (1904) welcher nebst einer Klingenführung wenigstens eine
Bodenschale für die abgeschabten Späne besass. |
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Waren
es bis 1884 nur etwas mehr als eine Handvoll Patente, die einen ersten und
durchaus noch zaghaften Versuch darstellten, von dieser manuellen Art des
Spitzens endgültig loszukommen, setzt jedoch ab diesem Zeitpunkt eine
signifikante Häufung von Erfindungen ein, die von einem verblüffenden
Innovationsgeist und einer enormen Experimentierfreudigkeit zeugt. Welche
technischen Errungenschaften, wirtschaftlichen Gegebenheiten oder schlicht
materiellen Voraussetzungen einen derart fruchtbaren Nährboden für diesen
Aufbruch schufen, mögen HistorikerInnen an andern Orten erläutern:
Festzuhalten bleibt hier indes das Faktum, dass vor knapp 120 Jahren, wie in
vielen andern Bereichen, auch in diesem peripheren Sektor eine globale Tendenz
der Mechanisierung stattfand und laufend neue Geräte und Maschinen in
Produktion gingen. |
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Schleifende
Spitzmaschinen |
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Einer
der frühesten und wahrlich auch robuster Zeuge ist der 1886 patentierte GEM,
ein Bleistiftspitzer, der sowohl durch seine Unverwüstlichkeit als auch seine
Zweckmässigkeit besticht. Dieses gusseiserne Gerät, hergestellt von Gould
& Cook, besteht im Wesentlichen aus einer rotierenden Scheibe, auf der ein
Stück Sandpapier befestigt wird.
Durch
das Drehen der Kurbel werden Scheibe und Bleistift gleichzeitig in Rotation
versetzt und der Bleistift kann mit sanftem Druck an die
Schmirgelpapierscheibe
herangeführt werden. |
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Dieses
mechanische Schleif- oder Schmirgelverfahren findet sich wieder bei der
wesentlich leichter und billiger fabrizierten, dafür heute umso selteneren Chelsea, welche um 1910 von der gleichnamigen Firma auf den amerikanischen Markt
gebracht wurde. |
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| Ferner
kam das Prinzip in den dreissiger Jahren wieder bei einem schweizerischen
Fabrikat zur Anwendung, dem sogenannten BUCO resp. dessen Nachfolgerin DIMA. Bei
diesen schweizerischen Modellen, die allerdings nur ein unbedeutendes
Nebenprodukt einer Uhrenfabrik, der Tavannes Watch Co.S.A. waren, wird – im
Unterschied zu den amerikanischen Erfindungen – die rotierende Scheibe
behutsam an den Bleistift herangeführt.
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Ein
eigentliches Kuriosum unter den Schleifmaschinen wiederum ist die äusserst
rare, dafür mehr-pfündige Peerless. Dieses gusseiserne Ungetüm, das
vermutlich anfangs des letzten Jahrhunderts in den Handel kam, verfügt über
ein breites Schleifband, welches auf einem eisernen Rad festgespannt wird. Damit
entsteht gleichsam ein Schleifstein, der im rechten Winkel zum Bleistift läuft
und diesen, je nach eingestellter Schräglage des Bleistiftes, spitzer oder
stumpfer zuschleift. |
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Nebst
solchen Schmirgelapparaten gab es vereinzelte Geräte, die mit eisernen Feilen
bestückt waren und vom Wirkungsprinzip her gesehen nah verwandt sind. Der wohl
bekannteste und eigenartigste Feilapparat ist der von S. Drake erfundene und
bereits 1890 patentierte Perfect
Pencil Pointer.
Es
scheint jedoch, dass dieses hölzerne Gerät, das in der Tat einen Bleistift
samt Holzmantel zuspitzte, eher eine Ausnahme bildete, da in späteren Jahren
Feilen praktisch ausschliesslich für die Bearbeitung von Minen verwendet
wurden. |
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| Spitzmaschinen
mit Klingen |
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1909
brachte die Firma Everett Speciality Co. mit Sitz in New York die eher zierliche
Everett in den Handel. Die kleine Maschine, die heute nur ganz selten auffindbar
ist, ist so merkwürdig wie ineffizient! Denn ihre Schärfvorrichtung besteht
aus einem zweiteiligen beweglichen Arm, an dessen Ende eine einzelne Klinge
festgeschraubt ist. Jede Umdrehung der Handkurbel versetzt auch diesen Arm in
eine analoge kreisende Bewegung, sodass dem Bleistift pro Umdrehung lediglich
ein einziger Klingenschnitt verpasst wird. Es
erstaunt in der Tat, dass dieser Spitzer, dem wohl nur ein sehr geringer Erfolg
beschieden war, überhaupt den Weg in die Kontore und Schulstuben fand. |
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| Denn in
dieser Zeit existierten bereits seit längerem ganz ähnliche, aber wesentlich
wirkungsvollere Spitzmaschinen. Gerade die mechanische Eigentümlichkeit und die
daraus resultierende Ineffizienz dürften aber der Everett zur heutigen
exklusiven Attraktivität verholfen haben. |
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Ihre
grosse Konkurrentin war allen voran eine Spitzmaschine der Automatic Pencil
Sharpener Co. (APSCO), welche schon drei Jahre früher, also 1906, patentiert
und hergestellt wurde und gleichsam der Verkaufsschlager unter den
klingenbesetzten Modellen war. Sie, die stets namenlos blieb und schlicht als
Automatic Pencil
Sharpener bezeichnet wurde, verfügt über einen Klingenstern
mit drei Zacken, wodurch die Spitzleistung gegenüber der Everett um ein
Dreifaches erhöht wird. |
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(Patentnummer 300982) |
Mit
dieser Konstruktion wurde sozusagen die mechanische Basis für die vielen Gerätevarianten
mit drei- oder mehrteiligen Messersternen gelegt. In Deutschland beispielsweise
liess Emil Grantzow aus Dresden schon 1915 eine „Schreibstiftspitzmaschine mit
konischer Lagerhülse und neben dieser drehbar lagerndem Schneidwerkzeug“
patentieren. |
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Im Laufe der folgenden
Jahrzehnte wurde dieses Grundmodell von Grantzow immer wieder technisch
verändert, verbessert oder vereinfacht, sodass bis in die sechziger Jahre
des 20. Jahrhunderts eine beachtliche Zahl von entsprechenden Apparaten,
vorwiegend europäischen Ursprungs, den Markt bereicherten. Mit
wohlklingenden, sprechenden und fremdsprachigen Namen wie AVANTI, CLOU,
STUDIUM, JUMBO, OLYMPIC, LION oder auch solchen, die an die
griechische Mythologie erinnern, wie etwa EROS, APOLLO etc. taten diese
kleinen Dinger tagein tagaus und ohne grosse Wartung ihren Dienst.
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| Alle
diese anmutigen Spitzmaschinen, wie auch Johann Faber’s VELO, waren
offensichtlich sehr beliebt, sei es aufgrund ihrer erwiesenen Zuverlässigkeit
oder dank ihrer guten und einfachen Handhabung. Sie gehörten sowohl in
Schreibstuben als auch Klassenräumen gleichermassen zum technischen Rüstzeug
oder Inventar und wurden selbst im Taschenformat angefertigt.
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| Apparate
mit Scheibenfräsern |
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| Innerhalb
bloss eines halben Jahres wurden 1896 zwei Maschinen produziert, die beide trotz
ihrer völlig verschiedenen Konstruktionsweise eine bisher unbekannte und
dennoch überraschend ähnliche Schärfvorrichtung vorzuweisen hatten; einen
Scheibenfräser! |
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Am
17. März 1896 wurde im „United States Patent Office“ und einen Tag
später im „Kaiserlichen Patentamt“ von der A.B.Dick Company in
Chicago der PLANETARY PENCIL POINTER (PPP) angemeldet.
Dieser Spitzer war nun der erste Apparat, der mit zwei sich drehenden
Schärfscheiben besetzt war, die „gleichzeitig mit ihrer eigenen
Rotation eine Bewegung um den Bleistift erhalten, sodass die Bewegung
derselben eine sogen. Planetenbewegung ist“. Dank dieser Anordnung
schneiden die Fräser von der Spitze her gegen den Holzkörper, wobei der
unterschiedliche Durchmesser der zwei Scheibenfräser dafür sorgt, dass
sie auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit laufen und den Stift
dadurch nicht einklemmen. |
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| Im Gegensatz zu den meisten andern Geräten ist bei
diesem Pencil Pointer die Bleistifthalterung aber derart konstruiert, dass der
Bleistift unverrückbar festgeklemmt wird und so weder eine Drehung um seine
eigene Achse ausführt – was aufgrund der beiden um ihn kreisenden Scheiben
auch nicht mehr vonnöten ist – noch kontinuierlich vorwärts geschoben werden
kann. Diese Fixierung des Bleistiftes bewirkt somit unvermeidlich, dass der
Stift im Laufe der Bearbeitung immer wieder aus den Klemmen befreit und ein
kleines Stück vorgeschoben werden muss, was der ganzen Raffinesse des Getriebes
leider ziemlich störend entgegenwirkt.
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| Rund
6 Monate später, am 22. September 1896, wurde im „Deutschen Reiche (...) ein
Apparat (...) zum Anschärfen von Blei-, Kreide- & Schieferstiften“
patentiert, der als zweites bekanntes Modell einen scheibenförmigen Fräser
verwendete. |
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Die
Firma Guhl & Harbeck in Hamburg lancierte ihren ersten berühmten JUPITER,
mit dem doppelschneidigen Fräser und der frontseitig angebrachten
Kurbelscheibe, dem nicht nur in europäischen Landen ein grosser Erfolg
bevorstehen sollte. |
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Auch in den USA, wo er von Favor, Ruhl & Company
vertrieben wurde, fand er alsbald grosse Anerkennung. Der massive, doppelseitige
„Drehscheibenfräser“ mit seiner gewaltigen und fast überbordenden Schärfleistung
brachte ihm einerseits zwar den Übernamen ‚Bleistiftfresser’ ein, die
durchgehend solide Bauweise verhalf ihm aber andererseits überall zum
Durchbruch, sodass er um die Jahrhundertwende selbst in einschlägigen
amerikanischen Fachzeitschriften in hohen Tönen angepriesen wurde: „The
Jupiter can safely be recommended as one of the very best.“
1905
kam das nächste Modell, der JUPITER 1, auf den Markt. Dieser war nun mit einer
Abfallschale ausgestattet und wies im Wesentlichen folgende Modifikationen auf:
• seitliche Kurbelscheibe • kleinerer, einseitiger Fräser, welcher aufgrund
der neuen Übersetzung von der Spitze her gegen den Stift schneidet •
schrittloser bzw. direkter manueller Vorschub des Stiftes. |
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Mit dem Patent von 1928 schliesslich präsentierte der JUPITER 2 eine neue
wichtige Verbesserung, indem „der Schlitten, mit welchem der Stift
vorgeschoben wird, selbsttätig festgestellt und gesperrt wird, sobald der
Bleistift fertig gespitzt ist und die geschärfte Spitze gegen den als
Begrenzung dienenden Widerstand stösst.“ Kurz:
Der JUPITER 2 erhielt nicht nur eine Stoppvorrichtung, die den früher möglichen
Stiftverschleiss beendete, sondern ebenso ein hervorragendes Image und eine noch
grössere Verbreitung, sodass er europaweit in vielen Amtsstuben heimisch wurde. |
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| Ohne
auf weitere Details oder spätere Varianten einzugehen, sei hier letztlich noch
die Anmerkung erlaubt, dass wohl kaum eine andere Bleistiftschärfmaschine mit
einer derart eindrucksvollen und überzeugenden Entwicklungs- und
Erfolgsgeschichte aufwarten kann. Es verwundert deshalb auch keineswegs, dass
die jupitersche Konstruktionsart vielfach Vorbildcharakter annahm und zu manchen
Imitationen reizte.
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Vor
allem in Europa zeigten sich mit wachsendem Jahrhundert mehr und mehr verwandte
Nachbildungen, wie etwa das tschechoslowakische Leichtmodell OMES, die österreichische
VINDOBONA aus Aluguss, die deutsche TRIOH (1930), die als einzige Spitzmaschine
einen ‚rückseitig’ angebrachten Scheibenfräser besitzt, die schwedische
ESA oder die finnische Sparvariation VALMET usw. |
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Zieht
man gar noch die amerikanische WEBSTER (1900) oder den QUAIL (DRGM, um 1905),
die beide quasi eine technische Synthese aus dem PLANETARY und dem JUPITER
bilden, in die Betrachtung mit ein und berücksichtigt man zudem die unverwüstliche
IDUNA (1. Patent 1919; Zusatzpatent 1922) sowie ihr fleischerrotes Schweizer
Pendant CARAN D’ACHE (1935), so zeichnet sich bei all diesen Scheibenfräsermaschinen
eine klare Tradition ab: Sie sind in der Tat – wie ihre grossen und würdigen
Namen oftmals andeuten – fast ausnahmslos äusserst robuste und währschafte
Objekte, die für nahezu ewigen Gebrauch konzipiert wurden.
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| Der
Vormarsch der Walzenfräser
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Noch
bevor sich die Firma Automatic Pencil Sharpener Co. (APSCO) in Chicago mit den
erwähnten Messerstern-Maschinen profilierte, liess sie schon einige Jahre früher,
nämlich am 09. Januar 1900, eine Erfindung patentieren, die ein so ungewöhnliches
wie bahnbrechendes Schneidewerkzeug verwendete; den Walzenfräser. WIZARD hiess
bezeichnenderweise der Spitzapparat, der mit grosser Wahrscheinlichkeit als
erste Maschine solche zylindrische, um den Bleistift kreisende Walzenfräser
benutzte.
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Ob
hierfür ein Rasenmäher Pate stand oder analoge walzenförmige Fräser
oder Schäler – die möglicherweise schon länger in der
holzverarbeitenden Industrie im Einsatz waren – den Anstoss gaben, soll
und kann hier nicht eingehender eruiert werden. Vielmehr interessiert in
diesem Rahmen die Tatsache, dass die APSCO in den ersten Jahren des 20.
Jahrhunderts ein Fräserteil mit gedrehten Schneidekanten hervorbrachte,
das insbesondere für die Fabrikation kleinerer Spitzmaschinen wegweisend
wurde und heute beinahe deren ganze Palette dominiert.
Überraschend scheint jedoch nach wie vor der Umstand, dass sich
Spitzmaschinen, die mit einem einfachen Messerstern ausgerüstet waren,
noch jahrzehntelang neben diesen mechanisch wesentlich anspruchsvolleren
Geräten behaupten konnten, was wohl eben gerade in der schlichten
Bauweise, der problemlosen Bedienung und sicher auch der günstigen
Herstellung begründet liegt.
Nichtsdestotrotz setzten innert weniger Jahre verschiedene Firmen,
namentlich auch die Boston Pencil Pointer Co. in Waltham, auf derartige
ein- oder zweiwalzige Apparate, die dank der hohen Schärfleistung und
feinen Schärfqualität auch zunehmend leichter gebaut werden konnten und
häufig nur noch ein durchsichtiges Kunststoff- oder dünnwandiges
Blechgehäuse hatten.
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Die
APSCO blieb aber weiterhin äusserst aktiv und wartete anfangs des zweiten
Dezenniums bereits mit einer andern Innovation auf: Sie ergänzte und
verbesserte das Grundmodell à la WIZARD mit einer automatischen Zugvorrichtung,
die dazu diente, den Bleistift während des Spitzvorgangs gleichmässig vorwärts
zu transportieren. Mit diesem kombinierten System – Federzug und Walzenfräser
– erreichte die APSCO schon vor rund 90 Jahren eine bis heute kaum übertroffene
und bewährte Harmonie. Und das Urgerät erhielt, wohl nicht ganz von ungefähr
und rückblickend bestimmt zu recht, den unmissverständlichen Namen CLIMAX.
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Doch auch im
europäischen Raum blieben die findigen Konstrukteure nicht untätig:
Frederick Edward Vesey Raines aus Greenwich wurde mit seiner Idee
erstaunlicherweise fast zur gleichen Zeit im kaiserlichen Patentamt
vorstellig und meldete hier 1905 sein Auslandspatent an. Dieses betraf
eine spitzende Neuheit, die zwar noch keinen Federzug für den
Stifttransport hatte, dafür aber einen Walzenfräser mit verstellbarem
Neigungswinkel, wodurch beim Bleistift verschiedene Spitzformen erzeugt
werden konnten.
Eugen COURANT aus Berlin wiederum vereinigte in seiner gleichnamigen
Maschine von 1912 ebenfalls die beiden amerikanischen Neuerungen von
Zugvorrichtung und Walzenfräser, bot darüber hinaus aber noch ein
weiteres praktisches Kontruktionselement an, das „eine einfache und
schnelle Entfernung des Fräsers aus dem Gehäuse (gestattete), der auf
diese Weise bequem nachgeschärft und gereinigt werden (konnte), was die
Betriebsfähigkeit der Vorrichtung wesentlich erhöht(e)“.
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Lässt
man summa summarum den Blick über andere verwandte Ausführungen schweifen, wie
etwa die amerikanische RONEO, die deutsche KOH-I-NOOR oder ESCO, so ist unschwer
zu übersehen, dass all diesen an sich eher kleineren Geräten noch etwas
anderes gemeinsam war: Sie alle hatten in der Regel einen äusserst massiven und
schweren Sockel, sodass sich deren Besfestigung am Pult mittels Schrauben oder
Schraubzwinge erübrigte.
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| Aus
heutiger Perspektive heisst dies, dass der Spitzmaschinenbau, insbesondere bei
diesem Typus mit Walzenfräsern, in mechanisch-technischer sowie materieller
Hinsicht schon vor fast 100 Jahren einen ersten Höhepunkt und fantastischen
Standard erreichte.
Gleichsam einem Drang nach Grösserem gehorchend, wurden in Deutschland
aber auch solche Walzenfräser-Modelle hergestellt, die an die jupitersche
Dimension anknüpften und ähnliche Ausmasse erreichten. So kam um etwa
1910 der sehr seltene MATADOR auf den Markt, der einen konischen Fräser
hatte und gemäss Katalog von 1912 aus „vorzüglichem Material“
bestand. Zwar etwas leichter gebaut als der JUPITER, stand er diesem
längenmässig jedoch in nichts nach und stellte sein hochwertiges
Schärfvermögen ebenfalls unter Beweis. |
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Mit zum Kreis dieser langen ‚Werkbänke’ gehörte ferner die fast unbekannte
TRIDO. Auch sie stammte aus deutscher Produktion, und ihre Eigenart lag unter
anderem darin, dass ihr Fräser – im Unterschied zu den meisten andern Geräten
– nicht planetenartig um den Bleistift kreiste, sondern sich an Ort um seine
Achse drehte und der Bleistift ebenso eine gegenläufige axiale Drehung vollführte.
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| Ab
den dreissiger Jahren wiederholt sich in zunehmendem Masse nunmehr auch hier
eine Tendenz, die sich schon bei den Maschinen mit Messersternen abzeichnete: Da
gut funktionierende Basismodelle bestehen, verflacht die Motivation,
Unkonventionelles zu erfinden, und die weitere Entwicklung beschränkt sich primär
auf den Einsatz neuer Materialien, vorzugsweise Kunststoff, oder auf die
Optimierung kleiner Details. Ob aus dem Hause Staedtler, Dahle, Boston,
Faber-Castell, Caran d’Ache etc.; die Maschinen rücken konstruktionsmässig
immer näher zusammen und ihre Abgrenzung verlagert sich mit wachsender
mechanischer Standardisierung auf ein bislang der Funktion untergeordnetes
Kriterium, das Design! Diesem neuen ästhetischen Element, das vor allem durch
den Gebrauch von Kunststoff und seine gestalterischen Möglichkeiten immer mehr
in den Vordergrund tritt und letztlich zum bestimmenden Markenzeichen avanciert,
kann in diesem Zusammenhang jedoch aus diversen Gründen nicht weiter nachgespürt
werden.
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| Das
Unikum
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| Eine
Maschine bedarf allerdings wegen ihrer Einzigartigkeit noch einer besonders
aufmerksamen Zuwendung: FAMULUS nennt sich sinnigerweise der spitzende Gehülfe,
der erstmals 1905 mit Patentschrift 177096 von Heinrich F. Hambruch in
Deutschland angemeldet und 1909 mit dem Zusatzpatent von Wilhelm Kober & Co.
in Suhl ergänzt wurde. Seine
Spezialität beruht in einer einmaligen und exklusiven Schärfvorrichtung, die
sich von allen andern bekannten Bleistiftschärfern klar abhebt. Denn „nach
vorliegender Erfindung kommt an Stelle der bisher verwendeten breiten Scheiben
oder Walzen ein schmaler Fräser nach Art einer Kreissäge in Anwendung, der mit
Leichtigkeit wie eine gewöhnliche Kreissäge (...) nachgeschärft werden
kann.“
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Tatsächlich
verwendet der FAMULUS ein dünnes gezähntes Sägeblatt, das durch den
Kurbelantrieb eine hohe Drehgeschwindigkeit erzielt und so den tangential
herangeführten Stift mit den schmalen Zähnen spitz zufräst. Allerdings
verlangt diese Konstruktion eine sehr feine Abstimmung von Bleistiftvorschub,
Neigungswinkel und Drehgeschwindigkeit, da schon bei geringer Ungenauigkeit oder
Nachlässigkeit der einen oder andern Einstellung die Gefahr besteht, dass die
Zähne des Blattes die Stiftspitze abbrechen oder einen Teil der Mine
herausreissen. Die subtile Handhabung dürfte deshalb wohl ursächlich dafür
gesorgt haben, dass der FAMULUS Sklave seiner selbst blieb und zu keinen
Nachbildungen animierte.
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Dieser Bleistiftschärfer mag nun
abschliessend noch einmal vorbildlich veranschaulichen, dass um die vorletzte
Jahrhundertwende eine faszinierende Fülle an Erfindungsgeist und
Produktionslust vorherrschte und immer wieder mechanisch-technisches Neuland
erobert wurde. Zudem spiegelt die industrielle Entwicklung in diesem kleinen Büromaschinensektor
exemplarisch wider, dass schon damals auf verschiedenen Ebenen ein reger
weltweiter Austausch stattfand, was man heute gerne als neuzeitliche
Errungenschaft wähnt und in modernem Jargon mit ‚Globalisierung’
etikettiert.
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